Freiberg für alle

#gesichtzeigen Jana Pinka

Freiberg hat viele schöne Oasen, großartige Menschen sowieso. Man muss beides finden wollen.

Nun lebe ich seit fast 56 Jahren in Freiberg. Oft sage ich scherzhaft: Hier kam ich zur Welt, hier ging ich zur Schule, knüpfte unzählige Freundschaften, die zum Teil bis heute bestehen, hier habe ich gelacht und geliebt. Zuletzt werde ich wohl auch in Freiberg neben meinen Eltern auf dem Friedhof beerdigt werden. Ja, Freiberg verlasse ich nie!

Und obwohl ich dieser, meiner Heimatstadt so sehr verbunden bin, wurde ich von meinen Eltern frühzeitig mit einem ideellen Leitbild ausgestattet, wonach alle Menschen gleich sind, wonach es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen, keinen zwischen Schwarzen und Weißen, Menschen mit Behinderung, Arbeitern, Unternehmern, Professoren oder Künstlern. Die Anderen, die Fremden, waren mir niemals fremd, im Gegenteil brachte mich das Studium an der Bergakademie doch mit ganz verschiedenen Menschen zusammen, auch aus unterschiedlichen Nationen. Zudem haben meine Dienstreisen weltweit ihren Teil dazu beigetragen, dass andere Menschen zu mir offen waren, sodass ich aufgrund dieser Erfahrungen und Erlebnisse auch ein noch stärkeres Verhältnis zu meiner Heimatstadt entwickelt habe. Oft habe ich gar „Heimweh“, befinde ich mich in anderen Teilen der Welt.

Meine Stadt Freiberg hat mich all die Jahre mit diesen Gedanken, mit dieser Weltsicht, mit ihrer Liebenswürdigkeit und ihrer Offenheit geprägt. Ich wünsche mir und allen Freibergerinnen und Freibergern, dass das auch in Zukunft so ist!

Der Mensch ist als Individuum weder gut noch schlecht; jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, Stärken, die er für die Gemeinschaft einsetzen, Schwächen, an denen man gemeinsam arbeiten kann. Dazu bedarf es der Begegnung, des Gesprächs, des Zuhörens und des Sprechens, nicht des Vortrags. Begegnungen auf „Augenhöhe“, während derer die Freizeitbeschäftigung, die Interessen, die Religion oder der Beruf keine Rolle spielen, sondern tatsächlich der Mensch, seine Bedürfnisse, seine Entwicklung und auch seine Entwicklung in der Gesellschaft Gegenstand des Verständigens sind. 

Ich liebe in Freiberg die vielen kleinen Oasen, wo ich mich auch mal fallen lassen kann: natürlich in meiner Wohnung, aber auch bei meiner Freundin im Garten, im Theater, in meinem Lieblingsmodeladen, bei der Kosmetikerin oder im gemütlichen Weinlokal….

Doch wir brauchen noch viel mehr „Begegnungsräume“ – Jugendklubs, vielleicht ein „Straßenfest der Kulturen“, eine große Wiese mit Feuerstellen und zwei Fußballtoren, Trimm-dich-Pfade oder aber auch ein Bauprojekt, z. B in einem dieser alten verlassenen Fabriken oder auch ein Sommerferienprogramm mit verschiedenen Vereinen und und und. 

Was spricht gegen Plätze für junge Menschen, wo sie ihren Interessen nachgehen, sich treffen, Musik hören und miteinander feiern können? Muss Jugend an den Rand der Stadt verbannt und so der erste Schritt getan werden für deren Wegzug? Ich vermisse Unternehmerinitiativen, die Flüchtlingen eine berufliche Chance geben. Wo bleibt jene Solidarität, die wir alle schon einmal selbst erfahren haben?

Freiberg hat in den letzten acht Jahrhunderten geradezu durch Zuwanderer gelebt und sich entwickelt. Viele davon waren und wurden bedeutend für die Stadt. Der Gedanke meiner Eltern, dass alle Menschen gleich sind, dass man Menschen aufnimmt und mit ihnen gemeinsam entwickelt – eine Gemeinschaft entwickelt, eine Stadt, unsere Stadt – hat mich bis heute begleitet und wird es auch weiterhin tun.

Jana Pinka

1 Comment

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Sehr geehrte Frau Pinka,

ich habe Sie als leidenschaftliche Rednerin auf den Demos von Fridays for Future erlebt. Vielen Dank für Ihr Engagement! Obwohl ich schon eher davon gehört habe, bin ich heute erst, bei der Recherche für unsere Parents for Future Ortsgruppe Freiberg, dazu gekommen mich hier umzuschauen. Wundervolle engagierte Menschen zeigen hier Gesicht und setzen sich für etwas Gutes ein!
Es ist toll zu sehen, wer hier u.a. für welche Freiberger Institution/Organisation steht!
Ich möchte Sie gern einladen mit uns in Kontakt zu treten, an unseren Gruppentreffen teilzunehmen, uns mit Ihrem Talent, Ihrem Wissen und Engagement zu unterstützen!
Wir als Parents for Future würden uns sehr freuen Sie an unserer Seite zu haben!
Am 10.10.19 haben wir unser 2.Elterntreffen.
Mit freundlichen Grüßen
Carola Zscheile

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