Freiberg für alle

#gesichtzeigen Alexander Geißler

Mein Name ist Alexander Geißler, 29 Jahre, Freiberger. Freiberg ist meine Heimatstadt und wird es auch immer bleiben. Hier bin ich zur Schule gegangen, habe Kindheitserinnerungen, fühle mich einfach zuhause.

Deshalb habe ich mich auch bewusst dafür entschieden nach Studium in Leipzig und Referendariat in Dresden hierher zurückzukommen. Doch ich bin ehrlich: Wenn ich nicht diese persönliche Verbundenheit mit dieser Stadt hätte, wüsste ich nicht, ob ich mich im Moment als Außenstehender dafür entscheiden würde, nach Freiberg zu ziehen.

Das soll nicht falsch verstanden werden: Freiberg hat vieles zu bieten. Zahlreiche Sportvereine, ein kulturelles Angebot, eine tolle Geschichte, wunderbare Häuserfassaden, eine fast komplett renovierte Innenstadt, die jährlich viele Touristen anlockt und ihnen ein mittelalterliches Flair bietet, zahlreiche kulinarische Angebote, prima Naherholungsmöglichkeiten wie den Stadtpark, ein großes Waldgebiet und hoffentlich bald auch wieder den Soldatenteich. 

Nur meine Stadt erlebe ich trotz dieser vielen Möglichkeiten auch zugeknöpft. Wir verstehen es nicht richtig, so meine Ansicht, viele hier Lebende von diesen Angeboten zu begeistern und ein Miteinander zu erzeugen und uns auch selbst für das, was wir haben zu begeistern. Freiberg ist international. Durch die Uni, durch viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wie das Helmholtz-Institut, durch spezielle Wirtschaftszweige wie im Nanotechnologiebereich mit Kunden in der ganzen Welt und durch den Tourismus, der viel internationales Publikum anlockt. Nur geht das an einem Großteil der Einwohner irgendwie vorbei oder wird einfach hingenommen, manchmal auch nur geduldet. Ich verstehe z.B. bis heute nicht, weshalb die Parkanlagen nicht für ein studentisches Leben attraktiv gemacht werden, sondern neue Verbote nur dafür sorgen, dass Aktivitäten weiter einschlafen. Große Städte wie Leipzig oder Dresden haben lebendige Grünanlagen. Hier ist es nicht erwünscht.

Eigentlich sollte man sich doch über all diese Möglichkeiten freuen und auch etwas stolz darauf sein. Die Mentalität ist aber leider zurzeit eine andere. Deshalb finde ich „Freiberg für alle“ auch sehr wichtig und unterstütze diese Initiative. 

Ich wünsche mir eine Stadt, die selbstbewusst ist und sich nicht verschließt. Eine Stadt mit Haltung und Zivilcourage, die das auch offen ausspricht; eine Stadt, die Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung viel entschlossener entgegentritt, als dass bisher der Fall ist.

Alexander Geißler 

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